Pflege- & Entwicklungsplan

Der Pflege- und Entwicklungsplan

Was ist eigentlich ein Pflege- und Entwicklungsplan?

Der Pflege- und Entwicklungsplan ist ein Fachplan. Er formuliert die Ziele und Maßnahmen für Arten-, Biotop- und Prozessschutz in einem Naturschutzgebiet aus naturschutzfachlicher Sicht. Dieser Plan enthält also genau die Ziele und Maßnahmen, die für die Natur im Naturschutzgebiet die besten sind. Inhaltlich besteht ein solcher Plan aus vier Themenkomplexen:

  • Analyse: Untersuchung von Landschaft, Biotoptypen, Pflanzen, Tieren, abiotischen Faktoren, Flächennutzung, Eigentumsverhältnissen u.a. sowie der bestehenden Störungen/ Gefährdungen/ Beeinträchtigungen
  • Bewertung: Bewertung der Untersuchungsergebnisse (Bedeutung, Empfindlichkeit, Gefährdung, Schutzbedürftigkeit, Entwicklungspotential usw.)
  • Formulierung Zielzustand: Formulierung von Leitbildern und Zielen auf Grundlage der Bewertungen; Vergleich des aktuellen Zustandes mit den Zielen, Analyse von Ursachen für Abweichungen des aktuellen Zustandes vom Ziel
  • Planung Maßnahmen: Formulierung von Maßnahmen zur Erreichung der Ziele; Formulierung von Hinweisen zur Umsetzung, Finanzierung und Erfolgskontrolle

Ein Pflege- und Entwicklungsplan muss problem- und umsetzungsorientiert, überschaubar, nachvollziehbar und kontrollierbar sein. Die erfordert bereits während seiner Erstellung Abstimmungen mit anderen Interessensbereichen. Zunächst sollen naturschutzfachliche Aspekte im Vordergrund stehen, dennoch kann der Plan bereits auf Konflikte hinweisen und Alternativen vorschlagen.

Welche rechtliche Stellung hat dieser Plan?

Als Fachplan schafft der Pflege- und Entwicklungsplan die fachliche Handlungsgrundlage für die naturschutzseitigen Aktivitäten. Zu seiner Umsetzung müssen jedoch weitere Vorraussetzungen erfüllt werden:

  • Der Plan muss den Schutzzielen der Naturschutzgebietes „Presseler Heidewald- und Moorgebiet“ entsprechen.
  • Für alle Maßnahmen müssen weitere Planverfahren (z.B. Plangenehmigungen und Umweltverträglichkeitsprüfungen) durchgeführt werden und Genehmigungen nach anderen Gesetzen (z.B. Wassergesetz/ EU- Wasserrahmenrichtlinie) eingeholt werden.
  • Es müssen Abwägungen mit zahlreichen anderen Interessen vorgenommen werden, z.B. Forst- und Landwirtschaft, Fischerei Tourismus, Siedlungsentwicklung etc.
  • Die Änderungen von Flächennutzungen (z.B. Extensivierung, Renaturierung) muss mit den Eigentümern und Bewirtschaftern de Flächen einvernehmlich abgestimmt werden. Wenn erforderlich, müssen Fördermittel, Erschwernisausgleich oder Entschädigungen gezahlt werden.

Der Pflege- und Entwicklungsplan selbst hat also keine rechtliche Verbindlichkeit. Sobald er vorliegt, beginnt erst die eigentlichen und schwierigen Aufgaben der Naturschutzbehörden- die Umsetzung des Planes. Der Pflege- und Entwicklungsplan zeigt, was zum Schutz der Natur nötig ist; in der Praxis werden sich jedoch selten alle Ziele im naturschutzfachlich wünschenswerten Maße realisieren lassen.

Wie soll der Pflege- und Entwicklungsplan in der Praxis umgesetzt werden?

Die Maßnahmen des PE- Planes sind noch keineswegs „beschlossene Sache“. Nun beginnt erst die jahrelange Kleinarbeit zur Umsetzung aller Maßnahmen. Dazu ist ein reibungsloses Zusammenspiel des Projektmanagers mit allen Behörden erforderlich. Gemeinsam werden dann alle nötigen Schritte zur erforderlichen Einbeziehung weiterer Betroffener unternommen.

  • Zum Beispiel: Umsetzung von Maßnahmen in Forstflächen:

Wegen des hohen Waldanteiles sind umfangreiche Maßnahmen in forstlich genutzten Flächen geplant. Diese konzentrieren sich vor allem auf die Schwerpunkte Waldumbau und Prozessschutz. Der Pflege- und Entwicklungsplan hat dazu Ziele für jede Forstfläche entwickelt und Vorschläge zu ihrer Erreichung unterbreitet. Gerade in den Forstflächen, in denen Prozessschutz realisiert werden soll, müssen aber neben den naturschutzfachlichen Ansprüchen auch andere Aspekte berücksichtigt werden. So dürfen diese Wälder zum Beispiel kein Herd von Waldbränden oder Schädlingskalamitäten werden, die womöglich umliegende Wirtschaftswälder gefährden. Deshalb wurde von Forstfachleuten ein detailliertes Gutachten erarbeitet, welches diese Gefahren ausschließen soll. In ausführlichen gemeinsamen Abstimmungen mit den Forstbehörden wurde schließlich eine einvernehmliche Position erarbeitet, die eine forstlich sichere Entwicklung der Wälder hin zu den naturschutzfachlichen Leitbildern sichert, ohne den Wald zu gefährden.

  • Zum Beispiel: Umsetzung von Maßnahmen in Landwirtschaftsflächen:

Die Diskussion während der Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplanes haben insbesondere bei den Landwirtschaftsbetrieben zu Verunsicherung geführt. Es musste an dieser Stelle immer wieder betont werden, dass der Plan nur das enthält, was für die Entwicklung von Natur und Landschaft das Beste ist.

Viele der naturschutzfachlich sinnvollen Maßnahmen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen würden aber zu sehr einschneidende Veränderungen, insbesondere zu niedrigen Erträgen und schlechterer Bewirtschaftbarkeit, führen. Deshalb werden zunächst in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftsbehörden folgende Fragen untersucht:

– Wie würden sich die Maßnahmen bzw. Maßnahmekomplexe strukturell und finanziell auf die einzelnen Betriebe auswirken?

– Welche Förderinstrumentarien wären zum Ausgleich für geringere Erträge oder erschwerte Bewirtschaftung grundsätzlich geeignet?

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden für die einzelnen Betriebe karten- und zahlenmäßig erarbeitet. Auf der Grundlage dieser Unterlagen werden dann gemeinsam mit den Betrieben (und gegebenenfalls zusätzlich hinzugezogenen Gutachtern weitere Fragen untersucht:

  • Wie würde sich die Belastung des Betriebes durch veränderte Nutzung auf den konkreten Flächen darstellen?
  • Welche Auswirkungen sind auf das gesamte Betriebskonzept zu erwarten?
  • Könnte der Betrieb mögliche Einschränkungen ausgleichen, zum Beispiel durch veränderte Nutzung oder Flächentausch?
  • Ließen sich eventuelle Verluste durch Fördermittel ausgleichen?
  • Könnte der Betrieb vom Land finanzierte Landschaftspflege als ein wirtschaftliches Standbein in das Betriebskonzept integrieren?
  • Wäre eine wirtschaftlich tragbare Veränderung des Betriebskonzeptes denkbar?

Erst wenn sich nach Klärung aller dieser Fragen eine gemeinsame Lösung finden lässt, kann überhaupt mit der Umsetzung von Maßnahmen des Pflege- und Entwicklungsplanes begonnen werden. Dabei muss seitens des Zweckverbandes auch stets die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, dass manche geplanten Maßnahmen tatsächlich nicht realisierbar sind. In diesem Fall muss nach Varianten gesucht, die vom Pflege- und Entwicklungsplan abweichen und geringe Auswirkungen (gegenüber der fachlichen Optimalvariante) auf die Landwirtschaft dennoch zur Erreichung der Naturschutzziele geeignet sind.

  • Zum Beispiel: Umsetzung von Maßnahmen der Biotoppflege:

Relativ günstig stellt sich die Situation in solchen Flächen dar, deren Zustand ohnehin schon (ganz oder weitgehend) den fachlichen Zielvorstellungen entspricht. Dies ist oft in Feucht- und Nasswiesen sowie Sandmagerrasen und Zwergstrauchheiden der Fall.

Für diese Flächen werden durch die Naturschutzbehörden oder den Zweckverband geeignete Landwirte gesucht, die eine erhaltende Biotoppflege durchführen. Wirtschaftlich relevante Erträge sind auf diesen Flächen kaum zu erwirtschaften. Die Landschaftspflege wird jedoch aus Fördermitteln finanziert, so dass die Arbeit für viele Landwirte dennoch attraktiv wird.

Die bisherigen positiven Erfahrungen im Presseler- Heidewald und Moorgebiet zeigen, dass sich entgegen mancher Erwartungen sogar das bei der Wiesenpflege anfallende Schnittgut (z.B. oft sehr seggenhaltig) verwenden lässt, ohne es etwa kompostieren zu müssen.